Wenn die Uhr baden geht ... |
| Was Sie schon immer über wasserdichte Uhren wissen wollten und was Sie beachten müssen. |
| Uhrentechnik ist Präzisionstechnik.
Beim Begriff Wasserdichtheit geht die Präzision baden - in einem
Durcheinander von Informationen, unterschiedliche Angaben und Widersprüchen.
Das führt dann dazu, dass der Konsument nicht unbedingt immer korrekte
Angaben über die Wasserdichtheit von Uhren erhält.
Schuld an der allgemeinen Konfusion ist auch die Tatsache, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten die Bezeichnungen und Zuordnungen für wasserdichte Uhren immer wieder geändert haben. So gibt es Zifferblatt-Aufschriften und Prägungen auf Uhrendeckeln wie: waterproof, wasserdicht, wassergeschützt, waterresistant und 100 % wasserdicht. Wobei es der Erklärung bedarf, was denn wohl
eine fünfzigprozentige Wasserdichtheit sein mag. Läuft eine solche Uhr unter
Wasser nur halb voll? (Vielleicht besser weglassen!) Was ´wasserdicht´ bedeutet: Als wasserdicht darf eine Uhr bezeichnet werden, die widerstandsfähig gegen Schweiss, Spritzwasser (z.B. beim Händewaschen) und Regen ist. Ausserdem darf in eine wasserdichte Uhr keine Feuchtigkeit eindringen, wenn diese für eine halbe Stunde in Wasser getaucht wird, das einen Meter tief ist. Was ´wassergeschützt´ bedeutet: Die Bezeichnung wassergeschützt wurde früher für Uhren verwendet, die durch einen Dichtungsring, eine Kronendichtung und manchmal ein spezielles Glas gegen Feuchtigkeit geschützt waren. Die Bezeichnung darf heute nicht mehr verwendet werden, unter anderem, weil sich ´Wassergeschütztheit´ nicht durch objektive Messdaten belegen lässt. Wie lange eine Uhr wasserdicht ist: Diese Frage dürfte wohl zu den häufigsten Streitigkeiten zwischen Uhrmacher und Kunden führen. Der Käufer einer wasserdichten Uhr erwartet, verständlicherweise, dass sein Zeitmesser auf Dauer dicht ist. Beim Verkauf der Uhr wird, ebenso verständlich, nicht erwähnt, dass die Dichtheit schon am nächsten Tag dahin sein kann. Sie hängt nämlich ganz wesentlich davon ab, wie mit der Uhr umgegangen wird. So kann beispielsweise ein heftiger Stoss die Krone beschädigen. Dabei kann die Kronendichtung ihre Funktion verlieren, ohne dass dies überhaupt sichtbar wird. Weitere Gefahren für die Dichtheit einer Uhr sind häufige, starke Temperaturwechsel, Chemikalien, die das Dichtungsmaterial angreifen oder Hitzeeinfluss. Man sollte seine Uhr nicht unnötig direkter Sonnenbestrahlung aussetzen. Und sicher braucht man bei der heissen Dusche oder gar bei Wechselbädern nicht unbedingt seine Uhr am Arm! Wann die Uhr zum Service muss: Wenn man auf Dauer Wert auf die Wasserdichtheit seiner Uhr legt, sollte man diese in regelmässigen Abständen zur Überprüfung und evtl. Abdichtung geben. Bei Uhren für Berufstaucher ist eine jährliche Prüfung sogar Vorschrift. Aber auch für andere wasserdichte Uhren ist eine Prüfung einmal pro Jahr unbedingt zu empfehlen. Wassersportler sollten den Test in kürzeren Abständen vornehmen lassen. Wie eine Uhr abgedichtet wird: Ein paar
Punkte wurden schon erwähnt: Dichtungen in Deckel und Krone. Bei modernen
Uhren werden auch die Gläser mit Dichtungen eingesetzt. Natürlich ist
Dichtheit nur mit einem heilen Glas zu erreichen. Warum auch eckige Uhren wasserdicht sind:
Eine runde Uhr ist nicht jedermanns Geschmack. Deshalb hat es schon immer
Bestrebungen gegeben, auch eckige Uhren so zu konstruieren, dass sie gegen ´Wassereinbruch´
geschützt sind. Es ist schwieriger, einen eckigen Gehäuseboden oder ein
eckiges Glas abzudichten, als dies bei einem runden Gehäuse der Fall ist. Was die Meterangaben auf Uhren-Zifferblättern bedeuten: Zunächst muss ganz klar gesagt werden, dass nur die ZIFFERBLATT-AUFSCHRIFTEN massgeblich sind. Angaben wie ´wasserdicht bis 30 Meter´, die man in Uhrenprospekten oder Schaufenstern findet, bedeuten nicht, dass man mit den so gekennzeichneten Uhren tauchen darf! Tiefenangaben haben nur auf Zifferblättern von Uhren etwas zu suchen, die zum Tauchen geeignet sind, und da nur in Angabe von vollen hundert Metern. Wenn eine Uhr undicht ist: Die Undichtheit einer ursprünglich dichten Uhr erkennt man meist zuerst daran, dass sich unter dem Glas Kondenswasser niederschlägt. Spätestens dann ist es höchste Zeit, den Uhrmacher aufzusuchen, um der Leckstelle auf die Spur zu kommen. Wie die Wasserdichtheit geprüft wird: Ebenso wie es unzählige Arten von Uhrengehäusen und dementsprechend zahlreiche Möglichkeiten der Gehäuseabdichtung gibt, herrscht auch auf dem Gebiet der Prüfgeraete eine grosse Vielfalt. Früher musste der Uhrmacher ein soeben überholtes Uhrwerk bisweilen noch einmal zerlegen und reinigen, weil die Uhr die Dichtheitsprüfung nicht bestanden hatte und im Prüfgerät voll Wasser gelaufen war. Heute verwendet man fast ausschliesslich Testgeräte, die ohne Wasser arbeiten. So gibt es zum Beispiel ein Gerät, das mit einer Vakuum-Glocke arbeitet: Die zu prüfende Uhr wird auf eine verschiebbare kleine Plattform gelegt. Diese wird anschliessend so verstellt, dass der Fühler eines oben im Gerät angebrachten Dosen-Mikrometers das Uhrglas berührt. (Ein Dosen-Mikrometer ist eine Messuhr, mit der Hundertstel Millimeter gemessen werden können.) Nun wird die Skala der Messuhr auf Null gestellt und mit der im Gerät eingebauten Pumpe die Luft aus der Glasglocke abgesogen. Ist die Uhr dicht, bleibt in ihr der ursprüngliche Luftdruck erhalten, während in der Glasglocke ein Vakuum entsteht. Das hat zur Folge, dass sich Boden und Glas der Uhr um einige Hundertstel Millimeter nach aussen wölben, was von der Messuhr angezeigt wird. Prüfergebnis: Messuhrzeiger schlägt aus: Uhr ist dicht. Mikrometer bleibt auf Null: Uhr ist undicht. Schwachpunkte der wasserdichten Uhr: An Robustheit kaum zu übertreffen, haben wasserdichte Uhren aber häufig ein sportlich bis klobig wirkendes Äusseres, das Liebhabern zierlicher oder vielleicht besonders flacher Uhren nicht unbedingt zusagt. Aber auch bei der wasserdichten Uhr gilt, was man generell bei Armbanduhren sagen kann: Je kleiner und flacher die Uhr, desto grösser ist auch ihr Empfindlichkeit. Dies gilt besonders für eckige Uhren, weil hier die ohnehin verletzlicheren Dichtungen einen (relativ) grösseren Gehäuseumfang abdichten müssen. Welche Belastungen wasserdichte Uhren aushalten müssen: Im DIN-Blatt 8310 heisst es dazu: ´Uhren, die als ´wasserdicht bezeichnet werden, müssen widerstandsfähig gegen Schweiss, Wassertropfen, Regen usw. und gegen Eintauchen in Wasser über 30 Minuten und bei einer Wassertiefe von 1 m sein´. Und weiter: ´Diese Uhren sind für den allgemeinen Gebrauch bestimmt und dürfen nicht unter Bedingungen verwendet werden, wo Wasserdruck und Temperaturen erheblich variieren´. Das ist eindeutig und fordert jeden Wassersportler auf, sich vor dem Kauf einer neuen Uhr genau über deren Belastbarkeit zu informieren. Möchte man sich mit seiner Uhr viel im Wasser aufhalten, schwimmen, tauchen, sportlich segeln oder Surf-Sport betreiben, ist vielleicht die Anschafftung einer Taucheruhr ratsam. Wobei man hier vorwiegend auf die angegebene, von der Uhr ausgehaltene Wassertiefe achten sollte und nicht unbedingt eine Uhr erwerben muss, die die Norm erfüllt. Diese auf DIN-Blatt 8306 nachzulesene Norm schreibt nämlich für Taucheruhren zum Beispiel einen Skaleneinstellring vor, den möglicherweise nicht jede ´Wasserratte´ an ihrer Uhr haben möchte. Auf eine verschraubbare Krone sollte man allerdings nicht verzichten! Ausserdem fordert DIN 8310 für wasserdichte Uhren: ´Der Hersteller oder Vertreiber von wasserdichten Uhren muss jeder Uhr eine Gebrauchsanleitung beifügen ...´. Es gibt also die richtige Uhr für jedes ´Gewässer´! Nur schwimmen, tauchen oder segeln müssen Sie schon allein! |